20 Jan 2011

EGA gefährdet!

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Im April letzten Jahres wurde in Erfurt eine Rettungsaktion für den vom Abriss bedrohten Rundpavillon auf der EGA gestartet. Trotz Abrissstopp ist sein Erhalt nach anerkannten Maßgaben der Denkmalpflege ungewiss.

Der Rundpavillon ist ein typischer Vertreter der DDR-Moderne, obwohl er sich durch seine expressive „Kronen-Form“ von den wenigen noch erhaltenen Exemplaren der 70er Jahre abhebt.
In dem von der Bauhaus-Universität Weimar herausgegebenen Standardwerk „Architekturführer Thüringen“ wird der Rundpavillon auf dem Buchtitel als das markanteste thüringische Gebäude der 1970er Jahre vorgestellt. Darüber hinaus ist das Bauwerk – nach zahlreichen Abbrüchen – eines der letzten, das in Erfurt die DDR-Architekturmoderne repräsentiert.
Der Pavillon ist über einen polygonal gebrochenen Kreisgrundriss als Stahlkonstruktion mit einer abgespannten Dachkonstruktion errichtet. Die Tragkonstruktion ist von den raumabschließenden Verglasungen und Wänden deutlich abgesetzt und unterstützt dadurch die filigrane Erscheinung des Bauwerks. Anders als von Betreibern der EGA, der TFB Thüringer Freizeit und Bäder GmbH (TFB GmbH), behauptet, ist die jetzige Konstruktion und bauliche Gestaltung, inklusive der Fenster, so vom Architekten Klaus Thiele 1974 entworfen und umgesetzt worden.

Im Frühjahr 2010 wurden Teile der den Raumeindruck im Inneren bestimmenden, – eindrucksvoll gefalteten und an Gestaltungen des Expressionismus erinnernden, Deckenuntersicht zerstört. Als Begründung dienten angebliche Baumängel an der Stahlträgerkonstruktion. Jetzt hat sich herausgestellt, dass sich die Träger in einem guten baulichen Zustand befinden.
Nun müsste davon ausgegangen werden, dass eine behutsame Sanierung beginnt, die gefaltete Deckenunterschicht wieder eingebaut wird und der Denkmalgeschütze Zustand von 1974 wieder? hergestellt wird. Doch scheinen sich Befürchtungen zu bewahrheiten, dass der Abriss der Innendecke der Beginn der Zerstörung des Originalzustandes des Rundpavillons darstellt. Es sollen Originalteile, wie die Messing-Türklinken ausgetauscht werden, neue Fenster eingebaut werden. Die besonderen Lampen-Lichtlinien in der gefalteten Decke sollen nicht wieder eingebaut werden, stattdessen billige Pendellampen. Die „Metallpyramide“ in der Mitte der gefalteten Decke kam bei den Baumaßnahmen im letzten Jahr „abhanden“.

pavillon-innen

Und nun gibt es auch noch Überlegungen zu einem neuen Gesamtkonzept der EGA, welches die teilweise Aufhebung des Denkmalschutzes vorsieht und die Umgestaltung zu einem Generationenpark, das Gelände des Irisgartens soll verkauft werden.
Dieses muss verhindert werden. In Hinblick auf die Feierlichkeiten zum 50jährigen Jubiläum muss die Einzigartigkeit des Ensembles mit den Blumenbeeten, Pavillons und Blumenhallen erhalten bleiben. Es darf nicht zu dem geplanten Abriss der Hallen 1-4 und den folgenden Ersatzneubauten kommen. Auch muss unbedingt die Umnutzung des großen Blumenbeetes in Staudenbeete verhindert werden. Die Entwürfe zur Neugestaltung der EGA müssen allen zugänglich gemacht werden. Und der Teilabriss des Rundpavillons, Sanierung genannt, muss gestoppt und die originalgetreue Wiederherstellung nach anerkannten Maßgaben der Denkmalpflege begonnen werden.