19 Jan 2012

Deutschland schafft es ab – Buchsammelaktion

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Deutschland schafft es ab – Buchsammelaktion

Mit mehr als 1,3 Millionen verkauften Exemplaren ist Deutschland schafft sich ab von Thilo Sarrazin das erfolgreichste politische Sachbuch eines deutschen Autors der Nachkriegszeit. Im Rahmen der 7. Berlin Biennale für zeitgenössische Kunst initiiert der tschechische Künstler Martin Zet jetzt die Kampagne -Deutschland schafft es ab. Er ruft dazu auf, möglichst viele Exemplare des Buches zu sammeln und sich seiner so zu entledigen. Ab einem bestimmten Moment ist es nicht mehr wichtig, was die Qualität oder wahre Intention eines Buches ist, sondern welchen Effekt es in der deutschen Gesellschaft hat. Das Buch weckte und förderte anti-migrantische und hauptsächlich anti-türkische Tendenzen in diesem Land. Ich schlage vor, das Buch als aktives Werkzeug zu benutzen, welches den Menschen ermöglicht, ihre eigene Position zu bekunden, erklärt Martin Zet. Der Künstler ruft dazu auf, mindestens 60.000 Exemplare zu sammeln, was weniger als 5 Prozent der kompletten Auflage entspricht. Die Bücher werden in einer Installation in der 7. Berlin Biennale gezeigt; nach Ende der Ausstellung werden sie für einen guten Zweck recycelt.

Bitte geben Sie Ihr Exemplar an einem der teilnehmenden Abgabepunkte ab oder schicken Sie es uns per Post und lassen Sie es Teil der Installation werden!

Den ersten Abgabepunkt in Berlin gibt es ab dem 12. Januar 2012 in den KW Institute for Contemporary Art, Auguststraße 69, 10117 Berlin-Mitte (zugänglich täglich von 10 bis 20 Uhr).

Weitere Abgabepunkte in Berlin sind:

– Berlinische Galerie | Landesmuseum für Moderne Kunst, Fotografie und Architektur | Alte Jakobstraße 124/128 | Kreuzberg
– Alte Möbelfabrik | Karlstraße 12 | Köpenick
– Buchhandlung Pro qm | Almstadtstraße 48?50 | Mitte
– C/O Berlin | Postfuhramt | Oranienburger Straße 35/36 | Mitte
– DOCK 11 | Kastanienallee 79 | Prenzlauer Berg
– F&F-Reisen im Havemann-Center | Flämingstraße 122 | Marzahn-Hellersdorf
– GRIPS Theater | Altonaer Straße 22 | Mitte
– Hebbel am Ufer – HAU 2 | Hallesches Ufer 32 | Kreuzberg
– Kosmetiksalon Babette | Karl-Marx-Allee 36 | Mitte
– Kunstraum Kreuzberg / Bethanien | Mariannenplatz 2 | Kreuzberg
– Kulturnetzwerk Neukölln e.V. | Karl-Marx-Stra?e 131 | Neukölln
– Schlossplatztheater | Alt-Köpenick 31 | Köpenick
– Theater an der Parkaue | Parkaue 29 | Lichtenberg

Abgabepunkte deutschlandweit:

– dieschönestadt | Am Steintor 19 | 06112 Halle an der Saale
– Galerie für Zeitgen?ssische Kunst Leipzig | Karl-Tauchnitz-Straße 9/11 | 04107 Leipzig
– Hartware MedienKunstVerein (HMKV) | im Dortmunder U | Leonie-Reygers-Terrasse | 44137 Dortmund
– Kunstbau der Städtischen Galerie im Lenbachhaus | Königsplatz / U-Bahn-Zwischengeschoss | 80333 München
– KUNSTHAUS ERFURT | Michaelisstra?e 34 | 99084 Erfurt
– Kunstverein in Hamburg | Klosterwall 23 | 20095 Hamburg
– Kunstverein Leipzig | Kolonnadenstr. 6 | 04109 Leipzig

Schließen Sie sich unserer Aktion an und richten auch Sie einen Abgabepunkt ein!

Bitte verbreiten Sie diese Information zusätzlich über die Ihnen zur Verfügung stehenden Kanäle

Debatte:

Wer schafft sie ab – die Freiheit des Denkens

Zur Debatte um die Aktion -Deutschland schafft es ab – von Martin Zet im Rahmen der 7. Berlin Biennale 2012
Stellungnahme von Katharina Kaiser, Freie Kuratorin, bis 2011 Leiterin des Haus am Kleistpark Berlin

Die erregte öffentliche Diskussion ist noch nicht wirklich da angekommen, wo die Kunstaktion von Martin Zet beginnt: Sie ist mit der Wucht eines Satzes gestartet und damit komplexe, interventionistische Sprach-Kunst!

Natürlich habe ich selbst, wie offensichtlich viele andere, bei dem Titel der Aktion spontan assoziiert: Hoffentlich zerstört der Künstler die Bücher nicht. Der zweite Gedanke war: Warum unterstelle ich eigentlich spontan einem tschechischen Künstler, dass er Bücher zerstören oder gar verbrennen will? Hat er das gesagt?

Nein – hat er nicht.

Was passiert da in meinem Kopf, was in den Köpfen von Kuratoren/innen, Institutsleiter/innen und Kunstvereinsverantwortlichen, die jetzt eilig die zugesagte Unterstützung dieses Projekts bereits im Vorfeld öffentlich aufkündigen und sich entrüsten? Ebenso wie in Zeitungen und Kultursendungen schon ein Skandal ausgerufen wird?

Noch einmal auf Anfang:
Was wäre geschehen, wenn der Künstler sein Projekt -Z u r ü c k g e b e n – genannt hätte? Was hätten wir da assoziiert?

Vielleicht schickt er ja Tilo Sarrazin jeden Tag 5 Buchpakete und der muß immer zur Post und seine „gewichtigen“ sozialdarwinistischen Thesen wieder nach hause tragen… Oder der Künstler baut einen großen Kegel aus Büchern vor der SPD Zentrale auf, damit die Genossen die rassistischen Thesen wirklich mal lesen und noch mal prüfen, ob einer, der so denkt in ihrer Partei bleiben sollte.

Nun hat der Künstler aber sein Werk – Deutschland schafft es ab – genannt.

D.h. er hat Sarrazins Herrschafts-Sprache nur minimal variiert und schon assozieren wir (zu Recht) Barbarisches.