9 Jan 2009

Heimatpark

heimatpark

Gabriele Fantoni, Andrej Glusgold, Linda Herold,
Arnold Hohmann, Henriette Kriese, Marcel Krummrich,
Alexander Lembke, Stefanie Seufert, Nora Ströbel,
Christian Werner

Fotografie und Fotografische Essays
13. Januar – 6. Februar 2009

Heimatpark

Das deutsche Wort Heimat verweist auf eine Beziehung zwischen Menschen und Raum. Allerdings ist diese keine feststehende, sondern situationsbedingt verschiebbar. Heimat kann eine Gegend oder Landschaft meinen, aber auch sich auf Dorf, Stadt, Land, Nation oder Sprache und Religion beziehen. Heimat bezeichnet somit keinen konkreten Ort, sondern Identifikation. Es ist die Gesamtheit der Lebensumstände, in denen ein Mensch aufwächst. In der Ausstellung Heimatpark verhandeln zehn Künstlerinnen und Künstler in ihren Fotoarbeiten dieses Thema auf ihre höchst unterschiedliche Weise.

Heimat – Ein Baukasten aus Bildern
Dem in Erfurt geborenen und seitdem fast ausschließlich dort lebenden Fotografen Marcel Krummrich ist der Thüringer Wald nicht wirklich seine Heimat. Trotzdem empfindet er in den letzten Jahren ein Gefühl von Heimat, wenn er durch den Thüringer Wald fährt. Ein Gefühl von Vertrautheit, Geborgenheit, Stillstand und manchmal aber auch von bedrückender Enge.
Gut und gern erinnert er sich an gelegentliche Wochenendausflüge mit der Familie, an Klassenfahrten und Ferienlager in seiner Kindheit, die ihn regelmäßig in den Thüringer Wald führten und er überlegte, ob allein diese Erinnerungen seine Gefühle rechtfertigen konnten oder ob nicht auch andere Einflüsse sein Bild des Thüringer Waldes und das Bild einer Heimat haben entstehen lassen. Symbolbilder etwa, wie sie uns Heimatfilmen bekannt sind oder als Kulissen in der Volksmusik verwendet werden.
Mit diesen Gedanken machte er sich auf den Weg, Bilder als Bausteine für sein? Gefühl zu suchen. Aber auch Bilder die jenseits der persönlichen Erinnerungen dem Begriff der Heimat einen Inhalt geben können.
Er fand apathisch wirkende Dörfer, verlassene Hotels und Ferienanlagen, aber auch Menschen, die ihm auf seiner Suche gern Auskunft gaben und ihm oft die Türen zu ihren Häusern und ihrem Leben geöffnet haben.
Marcel Krummrich wurde 1971 in Erfurt geboren. Er studierte Fotografie bei Arno Fischer an der Schule für  Fotografie am Schiffbauerdamm in Berlin und an der Ostkreuzschule für Fotografie bei Ute Mahler und Robert? Lyons. Er lebt und arbeitet in Erfurt.

Neue Romantik
Als Romantiker erschließt sich Andrej Glusgold Themen aus seiner eigenen Kultur und Geschichte. In der aktuellen Serie „Neue Romantik“ befasst er sich mit der romantischen Malerei. Dabei geht es ihm um die Fragestellungen – Wie kann moderne Romantik aussehen? Was ist Spiritualit? – Wie viel kann man vom Geist der Romantik in die heutige Zeit hinüberretten, ohne in die Fallen des Sonnenuntergangskitsches und Wagnerianischer Götterdämmerung zu tappen? Nicht zuletzt geht es ihm darum, den Begriff „Romantik“ nach Jahrzehnten des Konzeptkunst-terrors zu rehabilitieren und neu zu positionieren.
Der 1968 in Kischinew, UdSSR geborene Andrej Glusgold siedelte 1981 in die BRD über und studierte an der Hochschule für Künste in Bremen. Er lebt und arbeitet als Fotograf und Zeichner in Berlin.

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Ausstellungsansicht, Heimatpark, Andrej Glusgold, Neue Romantik, Kunsthaus Erfurt, 2009

Park
Die junge Künstlerin Stefanie Seufert beschäftigt sich mit dem Medium Fotografie und hat sich in ihrer künstlerischen Arbeit insbesondere dem Thema Natur zugewandt. Gegenüber klassischer Landschafts- oder Naturfotografie abstrahiert sie durch die Auswahl konkreter Bildausschnitte und Bilddetails und verfremdet durch gezeigte Bilddetails die realistische Bildvorlage.
Sie erzeugt so eine Irritation in der Bildwahrnehmung, da Bildvordergrund und -hintergrund oder andere  strukturelle Bildelemente nicht mehr eindeutig erkennbar sind. Abgebildete Ausschnitte aus Baumwipfeln werden so zu Figuren auf einer theatralischen Bühne, die in ihrer Loslösung von konkreten Umr?umen zu abstrakten Zeichen werden und über sich hinausweisen.
In der Wahl des Formates und der gezeigten Farbigkeit nimmt sie bewusst Bezug zu malerische Kriterien, stellt sie durch die Abstraktion und Zeichenhaftigkeit des Sujets gleichzeitig jedoch in Frage. Es entstehen auf diese Weise Fotografien von malerischer Schönheit und formaler Strenge, die den Betrachter anziehen und gleichzeitig irritieren.
Stefanie Seufert wurde 1969 in Göttingen geboren, hat nach einem Medizinstudium am Lette-Verein in Berlin eine fotografische Ausbildung und anschließend ein Gaststudium an der Universität der Künste absolviert. Sie lebt und arbeitet seit 1994 in Berlin.

Woodlands
Wald: das Thema der vierten Ausgabe des Loom Magazins ist der Ausgangspunkt für eine fotografische Bestandsaufnahme und künstlerische Auseinandersetzung innerhalb der Ausstellung im Kunsthaus Erfurt mit einem wichtigen Kulturgut der Deutschen, dem Wald.
Der Wald ist nicht nur ein Naturraum, vielmehr erfüllt er die unterschiedlichsten Funktionen als Ressource, Erlebniswelt, Erholungsort, Rückzugsort, Versteck und dient als Projektionsfläche für Literatur, Musik, und Philosophie. Die gegenwärtige Wahrnehmung des Waldes, das Erleben des Waldes – und somit auch unser eigenes, reales Verhalten im Wald – wurden während einer nicht nur theoretisch stattfindenden Exkursion in den Wald aus verschiedenen und ungewohnten Blickwinkeln betrachtet. Die Umstände unserer täglichen Wahrnehmung wurden hinterfragt. Als Ergebnis zeigen die entstandenen fotografischen Positionen sowohl dokumentarische als auch abstrakte und inszenierte Umsetzungen.
Die Entdeckung romantischer Werte in einer Serie von Linda Herold steht im Kontrast zur Arbeit von Arnold Hohmann, die die Verwandlung des Waldes in eine organische Produktionsmaschine zeigt. Eine Momentaufnahme der permanenten Einflussnahme durch den Menschen von Gabriele Fantoni und Alexander Lembke trifft auf den düsteren Wald als Angstraum und Ort des Verbrechens in zwei Serien von Christian Werner und Nora Ströbel. In der Arbeit von Nancy Schneider begegnet der aufmerksame Beobachter einem Wald, der von Geistern bevölkert wird. Ein Waidmann wechselt die Seiten und gerät selbst in das Fadenkreuz in der Serie von Henriette Kriese. Bei einem direkten Vergleich zwischen Finnland und Deutschland stehen dem Deutschen wesentlich weniger Bäume pro Einwohner zur Verfügung als dem Finnen. Die gezeigten Arbeiten zeigen sehr unterschiedliche und sehr persönliche Sichtweisen, die aufgrund der großen Vielfalt das aktuelle Verst?ndnis der Deutschen zum Wald widerspiegeln.

Das Loom Magazin ist seit April 2007 eine dauerhafte Onlineplattform für Fotografiearbeiten der Studieren-den an der Fakultät Medien der Bauhaus-Universität Weimar. Loom heißt zu Deutsch „Lichtschimmer“ und wird in englischer Sprache veröffentlicht. Anlässlich der Ausstellung HEIMATPARK ist die erste Printausgabe von Loom Magazin im Kunsthaus erhältlich.

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Ausstellungsansicht, Heimatpark, Alexander Lembke, Kunsthaus Erfurt, 2009

 

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