19 Mrz 2009
Konzept*los – Braucht Kultur ein Konzept?

19. März 2009, 20:00 Uhr, Podiumsdiskussion

Falk Elstermann, Geschäftsführer, Kulturhaus naTo / Sprecher, Initiative Leipzig+Kultur
Prof. Dr. Kai-Uwe Schierz, Direktor, Kunsthalle Erfurt / AG Kulturkonzept
Andre Störr, Vorsitzender, Kulturinitiative Thüringen
Hilde Weeg (Moderation), freie Radio-Journalistin

Wieviele Konzepte braucht Kultur und wer soll sie erstellen? Darf sich die Politik in die Kultur einmischen?
Im Bundesland Thüringen und in der Stadt Erfurt werden neue Kulturkonzepte erarbeitet. Wie können kulturfreundliche Rahmenbedingungen festgeschrieben werden? Wie können die Diskussionsprozesse aus anderen Städte berücksichtigt werden?

Im Rahmen der Salonreihe Kunst & Politik laden die Heinrich-Böll-Stiftung Thüringen und das Kunsthaus Erfurt in Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung Berlin und Radio F.R.E.I. in das Kunsthaus Erfurt ein.

TLZ, 21.03.2009
Kunst des Konzepts
Altstadt. (tlz) „Kunst kommt von Können, nicht von Wollen, sonst hieße sie Wunst.“ Soweit der Volksmund. Dass Kunst und Wollen bisweilen einander bedingen, war Tenor während der Podiumsdiskussion im Kunsthaus Erfurt. Im Rahmen der Salonreihe „Kunst und Politik“ diskutierten Falk Elstermann, Geschäftsführer des Kulturhauses naTo aus Leipzig, Andre Störr, Vorsitzender der Kulturinitiative Thüringen, Hilde Weeg, freie Radio-Journalistin und Professor Dr. Kai-Uwe Schierz, Direktor der Kunsthalle Erfurt und Mitglied der Arbeitsgruppe Kulturkonzept.
Die vom Stadtrat initiierte Arbeitsgruppe hat die Aufgabe, unter Einbindung von Kulturschaffenden und kulturinteressierten Bürgern ein tragfähiges Kulturkonzept zu erarbeiten. Doch wie viel Konzept braucht Kultur? Darf sich Politik in die Kultur einmischen, und sollten während des laufenden Prozesses Konzepte anderer Städte berücksichtigt werden? Mit diesen Fragen beschäftigte sich die Runde.
„Die ersten beiden Sitzungen der Arbeitsgruppe haben wir mit dem Verfassen einer Geschäftsordnung verbracht“, berichtete Schierz, in den zwei folgenden habe man sich auf die Einrichtung eines Internet-Blogs geeinigt, um so den öffentlichen Diskussionsprozess nachvollziehbar zu machen. „Für das eigentliche Thema Kultur hatten wir bisher wenig Zeit.“
Das Problem des gesamten Diskurses sah Störr darin, dass sich Kultur immer wieder ökonomisch rechtfertigen müsse. „Begriffe wie Hochkultur oder Breitenkultur bringen nichts. Wir müssen Kultur außerhalb ökonomischer Kennziffern platzieren“, so Störr. Doch da steht die Stadt noch ganz am Anfang. Das machte Elstermann, der Gast aus Leipzig, deutlich: „Als ich mir den Entwurf des Konzeptes ansah, war das für mich eine Reise zurück durch die Zeit.“ So verwunderte es kaum, dass Elstermann seine Eindrücke von Erfurt mit Worten wie „nett und ruhig“ beschrieb. „Ein schönes Wellness-Wochenende könnte ich mir hier durchaus vorstellen.“ Im Publikum sorgten solche Sätze für Heiterkeit. Elstermann beschrieb den Weg Leipzigs zu einem, auf Augenhöhe mit der Stadtverwaltung ausgehandelten Kulturkonzept. So organisierte sich die freie Kunstszene in der Initiative Leipzig+Kultur. „Es ist wichtig, überhaupt erst einmal wahrgenommen zu werden.“
Mit bisweilen drastischen Maßnahmen habe man gegen Kürzungen des Kulturetats protestiert, sämtliche freie Kulturangebote einen gesamten Monat geschlossen. Er prophezeite der Stadt Erfurt einen langen und steinigen Weg. Nur mit interner Organisation und der qualifizierten Moderation von Ansprüchen sei ein erfolgreiches Konzept mittelfristig zu realisieren.
Dominique Wand

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