19 Apr 2009

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re.act.feminism – Performancekunst der 1960er
und 70er Jahre heute – Videoarchiv

ExterraXX – 25 Jahre Künstlerinnengruppe Erfurt

21. April – 10. Mai 2009

Ausstellungseröffnung // Sonntag, 19. April 2009, 18 Uhr
Begrüßung: Monique Förster, Leiterin Kunsthaus Erfurt
Einführung: Beatrice E. Stammer, Kuratorin

re.act.feminism
Performancekunst der 1960er und 70er Jahre heute – Videoarchiv

Die sich seit den 1960er und 70er Jahren entwickelnde Performancekunst war von Ideen einer gesellschaftlichen Emanzipation durchdrungen und wesentlich von Künstlerinnen geprägt, die dem Feminismus nahestanden.
Performancekunst suchte die Verschränkung von Kunst und Leben, von privat und öffentlich. Sie bot ein ideales Medium, um Zuschreibungen von (weiblicher) Identität aufzudecken oder zu unterlaufen und um sich als handelnde Subjekte neu zu erfinden. Performance war zudem als neue Kunstform, jenseits der traditionellen Kunstorte, ein Medium für kollektive und gesellschaftliche Intervention. re.act.feminism nimmt eine exemplarische Bestandsaufnahme dieser genderkritischen Performancekunst vor und fragt nach ihrem Widerhall in aktuellen künstlerischen Produktionen, in Form von Re-enactments, Wiederaneignungen, Neuformulierungen oder dokumentarischen und archivarischen Projekten.

Ein Projekt von cross links e.V., kuratiert von Bettina Knaup und Beatrice E. Stammer, realisiert mit dem Kunsthaus Erfurt, in Partnerschaft mit der Akademie der Künste, Berlin, in Kooperation mit dem Video-Forum des Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.). Koordination des Videoarchivs: Jörn Ebner

Videoarchiv
Das Videoarchiv bietet den Besucher/-innen die Möglichkeit, aus einer Fülle von mehr als 70 Performance-Dokumenten, Video-Performances und Künstlerinnen-Interviews zu wählen und diese eigenständig zu sichten. Diese einmalige Sammlung erlaubt einen intensiven Einblick in feministisch inspirierte Performancekunst in Ost und West.

Mit Helena Almeida (PT), Oreet Ashery (IL/UK), Antonia Baehr (D), Renate Bertlmann (A), Nancy Buchanan (USA), Laura Cottingham (USA), Lilibeth Cuenca (DK), Disband (USA), Orshi Drozdik (HU), Yingmei Duan (CN/D), VALIE EXPORT (A), ExterraXX (DDR/D), Factory of Found Clothes (RUS), Esther Ferrer (E), (e.) Twin Gabriel (DDR/D), Kate Gilmore (USA), Sanja Ivekovic (HR), Elzbieta Jablonska (PL), Tina Keane (UK), Verica Kovacevska (MK/ UK), Elena Kovylina (RUS), Katarzyna Kozyra (PL/D), Christina Kubisch (D), Natalia LL (PL), Manon (CH), Ana Mendieta (C/USA), Marta Minujin (ARG), Fina Miralles (E), Margherita Morgantin (I), Alketa Xhafa Mripa (Kosovo), Tanja Ostojic (SRB/D), Ewa Partum (PL/D), Jillian Pena (USA), Ulrike Rosenbach (D), Martha Rosler (USA), Boryana Rossa (BG), Christine Schlegel (DDR/D),Cornelia Schleime (DDR/ D), Eene-Liis Semper (EST), Bonnie Ora Sherk (USA), Cornelia Sollfrank (D), Spiderwoman Theater (USA), Gabriele St?tzer (DDR/D), Mierle Laderman Ukeles (USA), The Waitresses (USA), Faith Wilding (PY/USA), Martha Wilson (USA), Nil Yalter (ET/F).

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Kate Gilmore, Star Bright, Star Might, 2007, Video Still. Courtesy of the Artist und Smith-Stewart Gallery

ExterraXX
25 Jahre Künstlerinnengruppe Erfurt – retrospektiv

Ausstellung
Die Ausstellung dokumentiert anhand von Filmen, Fotos, Texten, Zeichnungen, Objekten und Aktionen aus den Jahren 1984 – 1994 die Vielfalt und Komplexität der Arbeit von ExterraXX, die in der DDR als einzige Künstlerinnengruppe performativ arbeitete. 1984 entstanden, entsprang die Künstlerinnengruppe Erfurt der Suche der acht Gründerinnen (Monika Andres, Monique Förster, Gabriele Göbel, Ina Heyner, Verena Kyselka, Ingrid Plöttner, Gabriele Stötzer, Harriet Wollert) nach neuen Formen der Kunstproduktion und dem Wunsch weibliche Gestaltungskräfte zu bündeln, um mittels archaischer Bildstrukturen zu neuen Entwürfen von Weiblichkeit zu gelangen. Nach dem Lustprinzip, projektbezogen und grenzüberschreitend arbeitend, versetzten sie Wort, Bild und Klang in Bewegung. In den seit 1986 jährlich, gemeinsam produzierten Super8-Filmen zeigt sich in intensiver, dichter Bildsprache ihr gegen den Strich gebärstetes Frauenbild. Den ersten Super8-Filmen und Fotoserien folgten in öffentlichen Auftritten als Modetheater- und Performancegruppe, später unter dem Namen ExterraXX, Materialisierungen bildgewaltiger Ideen und Traumsequenzen sowie die tabusprengende Auseinandersetzung mit gesellschaftlichen Realitäten. Ihre künstlerischen Strategien wurden Ende der 80er Jahre zu politischen Strategien des Widerstandes und mündeten in der Besetzung der Stasi-Zentrale in Erfurt. 1991 gründete die Künstlerinnengruppe das Kunsthaus Erfurt.

Mit Angelika Andres, Monika Andres, Claudia Bogenhardt, Tely Büchner, Elke Carl, Monique Förster, Gabriele Göbel, Ina Heyner, Angelika Hummel, Elisabeth Kaufhold, Verena Kyselka, Ines Lesch, Bettina Neumann, Ingrid Plöttner, Karina Popp, Birgit Quehl, Jutta Rauchfuß, Sylvia Richter, Marlies Schmidt, Susanne Schmidt, Gabriele Stötzer, Susanne Trockenbrodt, Harriet Wollert.

Live-Performances
Performance ist eine prozessorientierte Kunstform, in der der Körper und die Handlungen der Künstler/innen und auch des beteiligten Publikums zum Medium der Kunst werden. Mit Ursprüngen in verschiedenen Kunstbewegungen des 20. Jahrhunderts entwickelt sich Performance vor allem in den 1960er und 1970er Jahren als genreübergreifende Form, in der Einflüsse aus Musik, Tanz, Videokunst und bildender Kunst gleichermaßen stilbildend sind. In einer Zeit des internationalen Aufbruchs, die von den Studentenunruhen in Westeuropa, den Revolten in Osteuropa sowie den Frauen-, Bürgerrechts-, Friedens-, Schwulen- und Lesbenbewegungen geprägt ist, wird auch in der Kunst nach neuen Ausdrucksformen gesucht, die sich gegen eine formalistische, auf das Kunstobjekt und auf Vermarktung ausgerichtete Kunst wenden.
Viele Künstlerinnen prägen die neue Kunstform und gelten als Pionierinnen der Performancekunst. Performance sucht die Verschränkung von Kunst und Leben, von privat und öffentlich. Der (weibliche) Körper wird zum zentralen Motiv und Ort, um soziale und physische Grenzerfahrungen öffentlich zu machen und Zuschreibungen von Identität aufzudecken und zu unterlaufen. Performance ist zudem als neue Kunstform, jenseits der traditionellen Kunstorte, ein Medium für kollektive und gesellschaftliche Intervention.

19. April 2009, um 19.00 Uhr
keep smiling
Performance von Siglinde Kallnbach

In ihrer Performance thematisiert die Künstlerin verschiedene Aspekte menschlicher Existenz anhand ihrer Krebserkrankung. Ausweglosigkeit, Verzweiflung, Mut mit einer schweren Krankheit zu leben. Aber auch Hoffnung und Solidarität, denn Siglinde Kallnbach kommt auch mit ihrem Projekt „a performancelife, an dem sich seit 2001 weltweit weit über 40 000 Menschen beteiligt haben.
Auch das Erfurter Publikum ist eingeladen Empathie für krebskranke Menschen zu äußern. Ihr Projekt entstand im Anschluss an eine andere, weltweit durchgeführte Kunstaktion, bei der Kallnbach dazu aufgerufen hatte, Zukunftswünsche zu äußern. Im Rahmen ihrer Aktion „Wunschspur/Wishingtrack“ sammelte Kallnbach von 1999-2001 über 4000 Wünsche aus aller Welt. Kultur-, schichten- und generationenübergreifend stand dabei ein Wunsch im Vordergrund: Gesundheit. Nachdem die Künstlerin 2000 selbst an Krebs erkrankte, machte sie dieses Resultat von „Wunschspur/Wishingtrack“ zum Anlass für ihr neues Projekt „a performancelife“.
Ursprünglich bis 2005 geplant, dem Ende ihrer ersten 5-jährigen Hormontherapie, erfuhr Kallnbach mit ihren weltweiten Aktionen jedoch so viel Zuspruch, dass sie beschloss, noch weitere drei Jahre Unterschriften zu sammeln. Das führte sie auch weiter, als sie erneut erkrankte und sich mehreren Operationen unterziehen musste (u.a. Amputation ihrer Brust). Die Energie von „a performancelife“ wirkt nicht zuletzt auch auf Kallnbach selbst zurück. Ende 2008 entschied sich die Künstlerin, das Projekt zu ihrer Lebensaufgabe zu machen – buchstäblich zu einer zeitlebens andauernden Performance.

19. April 2009, um 20.00 Uhr
Erinnerungsfragmente in kurzen Sätzen. 1984-2009
Performance von Ina Heyner und Gabriele Göbel

Eine höchst persönliche, multimoralische Zeitreise und tragisch- komische Vernetzung intern-kultureller deutsch-deutscher Vergangenheit.
Idee und Text: Ina Heyner
Umsetzung: Gabriele Göbel, Ina Heyner

19. April 2009, um 21.00 Uhr
aus alten Rollen
Performance von Gabriele Stötzer

Ohne dass wir es bewusst bemerken, setzt jede vorgegebene Position, die wir nachvollziehend einnehmen, alte Verhaltensformen voraus. Und auch wenn sie gegen unsere Ansichten und unseren Willen sind, vollziehen wir sie fast mechanisch, weil sie durch den Lauf der Dinge eingeschliffen sind.
Aber wenn wir Verantwortung für uns und die anderen um uns übernehmen, müssen wir von diesen festen Rollen abweichen, auch wenn es schmerzhaft ist.
Aus alten Rollen – scheint erst eine Installation aus Fotos, Keramik und zwei Frauen als nachgestelltes mythisches Schönheitsideal (Aphrodite und Venus).
Die Statik wird aufgerissen durch Musik und weibliche Stimmen, die sich gegenseitig zu einem Sprechgesang entwickeln, der die Lösung aus alten Rollen ermöglicht und die beiden Frauenfiguren zum Ausbrechen bringt. Der Befreiungsvorgang wird filmisch festgehalten und als sich immer weiter vollziehender Vorgang an diesem Ort gezeigt.
Musikalisch begleitet wird diese Performance von Michel von Hintzenstern, Gründer des Ensembles für Intuitive Musik Weimar.

30. April 2009, um 20.00 Uhr
Flügelhände
Performance von Ulrike Rosenbach

Flügel als Hand oder Hand als Flügel. Diese Hand-Zeichen bzw. Wortspiele sind Thema ihrer assoziativen Improvisation. Dabei spielt Ulrike Rosenbach mit der Erinnerung an eine der frühen Aktionen von Joseph Beuys, der „Handaktion“ aus dem Jahr 1968 in Düsseldorf.
Dazu ein Zitat von dem Kritiker Klaus Honnef, Bonn, der das Werk von Joseph Beuys und das von Ulrike Rosenbach in Texten kommentiert hat: Mit dem schlagenden Satz „Denken ist Plastik“, in dem er seiner Vorstellung Ausdruck gab, dass jede intellektuelle Unternehmung zugleich im Gehirn einen physischen Vorgang plastischer Veränderung auslöse, brachte in Joseph Beuys die Bestrebungen auf eine einprägsame Formel. Eine seiner Schülerinnen war Ulrike Rosenbach und seine künstlerischen Intentionen haben auch ihre Arbeit entscheidend befördert. Wie er Bildhauer, ist sie ursprünglich Bildhauerin. Allerdings nicht mehr im überlieferten Verständnis des Metiers, des Modellierens, also des Hinzufügens oder des Herausschlagens, an die Stelle der tradierten Verfahren trat dank Beuys eine Methodik, die im zeitlichen Vollzug statt im fertigen Produkt, das die zeitliche Komponente gleichsam absorbiert, das Potential ästhetischer Erfahrung freizusetzen suchte. Sie habe, sagt die Künstlerin, den Prozessdes Machens stets intensiver erlebt als die Befriedigung durch sein schließliches Ergebnis,
und so war ihr künstlerisches Konzept von Anbeginn mit der Dimension des Zeitlichen verknüpft, dem Entwickeln einer Vorstellung, was verhältnismäßig rasch dazu führte, dass sich ihr die Dimension der Zeit als ein wesentlicher künstlerischer Gegenstand erschloss.

Gefördert durch den Hauptstadtkulturfonds, Berlin; das Thüringer Ministerium für Wirtschaft, Technologie und Arbeit, aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds; das Thüringer Kultusministerium; die Gleichstellungsbeauftragte und die Kulturdirektion der Stadt Erfurt; die Landeszentrale für politische Bildung des Freistaates Thüringen.

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