30 Mrz 2012

FOCUS I

Focus-kunsthausweb

aktuelle Fotografie und Videokunst

Benedikt Braun, Johannes Heinke, Ji Hyun Kwon,
Nina Röder, Robert Seidel

3.04. – 4.05.2012

Eröffnung, Freitag, 30. März 2012, 20 Uhr
Einleitung: Ulrike Pennewitz, Kulturhistorikerin, Berlin

Kann heute Fotografie und Film dem Anspruch gerecht werden, etwas völlig Neues zu zeigen? Oder ist nicht die Frage entscheidend, wie die vorhandenen Bilder unsere Welt ordnen und unsere Wahrnehmung lenken? Die Menge der Bilder, die uns täglich in den Medien, der Werbung und Nachrichten angeboten werden, wächst ständig. In gleicher Weise vermehren sich Bilder, die wir selber digital erstellen und auf unseren Festplatten ablegen. Die Masse dieser Bilder macht deutlich, dass sie bestimmten Mustern folgen, die das Dargestellte einer Ordnung unterwerfen. Dieser Konstruktionscharakter bleibt meist verborgen.

Wie greifen Fotografen und Videokünstler vorhandene Bilder auf und rekombinieren sie? Existente Bilder werden zitiert, oder selbstreflexive Bildstrategien zeigen auf, warum eine Fotografie oder Film als „wahr“ oder „authentisch“ gilt.

Mit FOCUS I öffnet sich das Kunsthaus Erfurt konsequent den Neuen Medien in der Kunst. Mit Arbeiten von fünf, preisgekrönten und vielfach ausgestellten, jungen Fotografen und Videokünstlern, alle Absolventen der Bauhaus-Universität Weimar, bietet die Ausstellung einen Einblick in ihr künstlerisches Spektrum.

BENEDIKT BRAUN arbeitet als ULTRA FREIER KÜNSTLER in Weimar. Braun sieht seine Situation als prekärer K?nstler nicht als Schicksal, sondern als Paradigma. Getreu dem Motto „Lieber arm dran als Arm ab“, entstehen wie am Fließband Fotografien, Installationen, Objekte und Videos.

through the khimar heißt die Fotoserie von JOHANNES HEINKE. Sie geht der Frage nach:
Wie fühlt es sich an, sich mit durchsichtigem Stoff vor den Augen durch eine Stadt zu bewegen? Die Fotos entstanden 2011 in Damaskus, wo die Frauen vollständig verschleiert waren und selbst die Augen vom schwarzen Niqab verhüllt wurden. In einer Atmosphäre der politischen Anspannung spürte Johannes Heinke unbehelligt, mit seiner unter einem Umhang versteckten Kamera, durch den Stoff desselben, dem Gefühl und der Wahrnehmung der Frauen nach.

Die Fotoreihe the guilty der Südkoreanerin JI HYUN KWON verhandelt das menschliche Thema Schuld. Sie zeigt in ihren frontalen Porträts Personen aus ihrem Umfeld verschiedener Länder, die sich gezeichnet fühlen. Im wahren Sinn dieses Wortes, tragen sie in Form von Schriftzeichen des jeweiligen Landes Wörter auf ihrem Gesicht geschrieben. Dabei handelt es sich um persönliche Dinge, derer sie sich schuldig fühlen.

NINA RÖDERs Bildkonzept der Fotoserie Determination greift den Körper-Raumentwurf von Oskar Schlemmer auf, welches eine Verbindung von Darstellungsaspekten des Theaters und der Fotografie herstellt. Dafür hat sie kammerspielartig, ausschließlich in einem Kubus als zu inszenierenden Bildraum gearbeitet.

Dass abstrakt nicht einfach heißt, ergründet der in Jena lebende ROBERT SEIDEL. Grundlage seiner Arbeiten sind informelle Handzeichnungen, die der Künstler in den Computer einspeist und unter Zuhilfenahme von verschiedensten Programmen das Ausgangselement verfremdet und zu einem filmischen Fluss ohne erkennbare Narration kombiniert. Seidels Werke verharren nicht in der Kargheit der Handzeichnung, sondern explodieren in einer ?berquellenden, rauschhaften Opulenz aus Farben und Formen.