{"id":1070,"date":"2009-09-14T22:49:48","date_gmt":"2009-09-14T20:49:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/news\/lesung\/"},"modified":"2015-11-30T18:22:58","modified_gmt":"2015-11-30T16:22:58","slug":"lesung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/?p=1070","title":{"rendered":"100 Gedichte aus der DDR"},"content":{"rendered":"<p><a href=\"http:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/100-Gedichte.jpg\"><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1457\" title=\"100-Gedichte\" src=\"http:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/100-Gedichte.jpg\" alt=\"100-Gedichte\" width=\"382\" height=\"272\" \/><\/a><\/p>\n<p>Lesung: Montag, 14. September 2009, 20 Uhr im Kunsthaus Erfurt<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>100 Gedichte aus der DDR<br \/>\nEin Blick zur\u00fcck auf die DDR: Die einzige Anthologie ihrer sch\u00f6nsten und charakteristischen, ihrer vergessenen, gef\u00f6rderten und verbotenen Gedichts. Herausgegeben und mit einem Nachwort von Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach.<\/p>\n<p>&#8220;Ist es nicht merkw\u00fcrdig, dass die DDR mit ihrem zynisch aufgep\u00e4ppelten, dann wieder geg\u00e4ngelten Literatursystem viel Namhafteres hervorgebracht hat als die gro\u00dfe Freiheit nach der Stasi?&#8221; So fragt die FAZ im Jahr 2008. Gegenfrage: Wie gehen wir als Erben mit der DDR- Literatur um, die doch selbst das &#8220;kulturelle Erbe&#8221; so hoch gehalten hat, dass man es manchmal schon nicht mehr erkennen konnte? Das gilt besonders f\u00fcr die Lyrik der DDR.<br \/>\nChristoph Buchwald und Klaus Wagenbach machen die Probe aufs Exempel und haben 100 Gedichte ausgew\u00e4hlt, angefangen mit antifaschistischen Gedichten und endend mit den letzten Gedichten der achtziger Jahre.<br \/>\nZu h\u00f6ren sein wird eine Auswahl von Gedichten der Autoren Johannes Bobrowski, Volker Braun, Bertolt Brecht, Peter Huchel, Reiner Kunze, Karl Mickel, Heinz Czechowski, Wolfgang Hilbig, Rainer Kirsch, Sarah Kirsch, Christa Reinig, Thomas Rosenl\u00f6cher, Johannes R. Becher, Wolf Biermann, Adolf Endler, Elke Erb, Stephan Hermlin, Heinz Kahlau, G\u00fcnter Kunert, Georg Maurer, Heiner M\u00fcller ,Helga M. Novak, Manfred Bieler, Heinar Kipphardt, Hartmut Lange, Jurek Becker, Gabriele Eckart, Bert Papenfu\u00df, Hans-Eckart Wenzel, Helga M. Novak, Franz F\u00fchmann, Katja M\u00fcller-Lange u.a.<\/p>\n<p>Dazu laden das Kunsthaus Erfurt und die Rosa &#8211; Luxemburg &#8211; Stiftung Th\u00fcringen ein.<\/p>\n<p>Klaus Wagenbach<br \/>\nKlaus Wagenbach, 1930 in Berlin geboren und aufgewachsen, lernte Buchh\u00e4ndler und<br \/>\npromovierte zum Geisteswissenschaftler. Er arbeitete mehrere Jahre als Lektor, unter anderem beim S. Fischer Verlag in Frankfurt am Main, bis er 1964 seinen eigenen, bis heute unabh\u00e4ngigen Verlag in Berlin gr\u00fcndete. In den sp\u00e4ten 1960er und in den 1970er Jahren avancierte Klaus Wagenbach zum Verleger der Wortf\u00fchrer von Studentenbewegung und Au\u00dferparlamentarischer Opposition. Anfang 2002 zog sich Wagenbach von der Leitung seines Verlags zur\u00fcck. Er selbst ist seitdem als Lektor im Wagenbach Verlag t\u00e4tig. Der Kafka-Spezialist hat eine Honorarprofessur f\u00fcr Neuere deutsche Literatur an der Freien Universit\u00e4t Berlin inne und ist neben dem Bundesverdienstkreuz zudem Tr\u00e4ger zahlreicher internatio-naler Auszeichnungen. \u00dcberdies gilt Wagenbach als Eigent\u00fcmer-Verleger, der mit wenigen anderen dem Konzentrationsprozess im deutschen Verlagswesen trotzt.<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1071\" title=\"Wagenbach-Web-1\" src=\"http:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/Wagenbach-Web-1.jpg\" alt=\"Wagenbach-Web-1\" width=\"600\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/Wagenbach-Web-1.jpg 600w, https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/Wagenbach-Web-1-536x359.jpg 536w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>Lesung von Klaus Wagenbach im Kunsthaus Erfurt<\/p>\n<p><strong><br \/>\nDenn Dichter sind geborene Anarchisten<\/strong><br \/>\nGespr\u00e4ch mit dem Verleger Klaus Wagenbach im Kunsthaus Erfurt.<\/p>\n<p>TLZ, 18. Oktober 2009 von Frank Quilitzsch<\/p>\n<p><strong><br \/>\nHerr Wagenbach, hat sich jemand beschwert, weil er nicht in Ihre Anthologie aufgenommen worden ist?<\/strong><br \/>\nOh ja! Wir haben drei Rezensionen in Ostdeutschland, die waren alle Verrisse. Und alle drei stammen von Lyrikern, die nicht drin sind. Ansonsten ist der Band gut aufgenommen worden.<\/p>\n<p><strong>Hundert Gedichte aus vierzig Jahren, das verlangt Mut zur Entscheidung. Und es ist ein kluger Schachzug, Johannes R. Bechers Nationalhymne als Prolog zu setzen, der die Hoffnungen und Widerspr\u00fcche des gerade gegr\u00fcndeten Staates bereits in sich tr\u00e4gt.<\/strong><br \/>\nDas ist ja auch ein guter Text. Der war nach zwei Jahren schon obsolet und konnte gar nicht mehr gesungen werden, weil da von &#8220;einig Vaterland&#8221; die Rede war.<\/p>\n<p><strong>Wir haben die Hymne noch lange gesungen, sogar Mitte der 60er Jahre noch.<\/strong><br \/>\nL\u00e4nger, als es erlaubt war.<\/p>\n<p><strong>Nein, in der Schule &#8230; Sie haben nicht in der DDR gelebt. War dieser &#8220;Blick von au\u00dfen&#8221; ein Vorteil bei der Zusammenstellung der Anthologie?<\/strong><br \/>\nEin gro\u00dfer Vorteil. Wir haben ja respektvoll gewartet, zwanzig Jahre, ob in Ostdeutschland eine DDR-Anthologie herauskommt. Es kam eine, von Peter Geist, doch die umfasst nur die 70er und 80er Jahre. Man versteht diesen Staat und die Literatur aber nicht, wenn man nicht die 50er und 60er Jahre dazu nimmt. Die 50er Jahre waren voller Hoffnung, selbst f\u00fcr einen Dichter wie Reiner Kunze, und man vergisst immer, dass eine Reihe von Autoren vom Westen nach dem Osten gewechselt sind &#8211; Stephan Hermlin, Wolf Biermann, Peter Hacks, Adolf Endler, um nur einige zu nennen. Ihre Hoffnungen galten einem Staat, in dem jedes Kuhkaff ein Klubhaus und jede Kleinstadt ein eigenes Theater hatte, in dem jeder gr\u00f6\u00dfere Betrieb und jede Kaserne \u00fcber eine Bibliothek verf\u00fcgte und in dem es sogar ein Literaturinstitut gab. Und es gab &#8211; das war mein besonderer Neid &#8211; das &#8220;Poesiealbum&#8221;.<br \/>\n<strong><br \/>\nEin monatliches Lyrikheft, das man f\u00fcr 90 Pfennige an jedem Kiosk kaufen konnte.<\/strong><br \/>\nDas war nat\u00fcrlich ein Traum f\u00fcr mich! Jetzt haben wir dieses ganze Erbe am Hals, jetzt sind wir die Erben. Ob wir es wollen oder nicht, das ist deutsche Literatur &#8230; Kurz und gut, wir haben gewartet, und es kam nichts. Und diese DDR-Anthologie, die wir jetzt gemacht haben, war ein Lieblingsprojekt von mir. Ich hatte doch angefangen mit DDR-Literatur, 1960, als ich noch Lektor beim S.Fischer-Verlag war. Damals habe ich Peter Huchel zum ersten Mal gedruckt, Hermlin, das erste Buch von Christa Reinig. Also, das Gel\u00e4nde war mir vertraut. Es ging uns, wie wir es auf der R\u00fcckseite des Schutzumschlags zum Ausdruck bringen, darum, die sch\u00f6nsten, charakteristischen, vergessenen oder verbotenen Gedichte in Erinnerung zu bringen. Zum Beispiel &#8220;Schwarze Bohnen&#8221; von Sarah Kirsch. Ein wunderbares Gedicht, ganz bescheiden, ganz einfach, ganz unpolitisch &#8211; und trotzdem tobende Reaktionen! Es erschien damals bei mir im &#8220;Tintenfisch&#8221;, dem Jahrbuch f\u00fcr Literatur, und hat in der DDR furchtbare Reaktionen ausgel\u00f6st.<\/p>\n<p><strong>Weil es &#8220;dekadent&#8221; war?<\/strong><br \/>\nNein, weil die Kulturpolitiker entsetzlich dumm waren. Ich nenne nur Alfred Kurella und die Kafka-Konferenz 1963 in Liblice. Er hat es nicht verstanden. Und sie haben auch bei Sarah Kirsch nur gesehen, da beschreibt eine Autorin, wie sie Kaffeebohnen kleinmacht und hinterher die Bohnen wieder zusammensetzt. Ein sehr merkw\u00fcrdiger, sch\u00f6ner Vorgang. Es war dieses Unverst\u00e4ndnis, was dann ganz klar in dem ber\u00fcchtigten Plenum im Dezember 1965 zutage trat, wo Ulbricht w\u00f6rtlich gesagt hat, die DDR ist ein sauberer Staat. Sauberer Staat &#8211; da habe ich mir immer vorgestellt, wie einer an dem Staat rumschrubbt. Und dann fiel der fatale Ausdruck, wir dulden keine Anarchisten. Wenn das Wort &#8220;Anarchist&#8221; f\u00e4llt, sage ich als Verleger, sind die Lyriker immer vorgewarnt. Denn Dichter sind geborene Anarchisten, denen f\u00e4llt, wenn der Tag lang ist, viel ein und sehr viel Divergierendes.<br \/>\nAnfang der 60er Jahre bl\u00fchte die Lyrik in der DDR auf.<br \/>\nDas war die Glanzzeit der DDR-Literatur! Sie begann mit der ber\u00fchmten Veranstaltung von Stephan Hermlin 1962 in der Akademie der K\u00fcnste, da waren sie pl\u00f6tzlich alle da, junge, bis dahin unbekannte Dichter, und wurden von Hermlin vorgestellt. Was ihn dann auch das Amt kostete. Er hat seine Entlassung mit dem Satz kommentiert: &#8220;Genossen, ihr habt vollkommen recht, ich w\u00fcrde es wieder tun.&#8221; Da sa\u00df Johannes Bobrowski im Publikum. Dadurch bin ich auch an Wolf Biermann gekommen, denn in der heiligen Akademie liefen seine &#8220;Schmutzverse&#8221; vom Tonband. Das war eine gro\u00dfe Zeit der Hoffnung, bis 1965. Karl Mickel, Sarah Kirsch, Volker Braun &#8230;<\/p>\n<p><strong>Manche sagen, aus der DDR w\u00fcrden h\u00f6chstens zehn, zw\u00f6lf Dichter bleiben.<\/strong><br \/>\nZehn, zw\u00f6lf? Das ist viel! Da muss ich auch im Westen ganz ordentlich z\u00e4hlen, bis ich zw\u00f6lf zusammenkriege.<\/p>\n<p><strong>Wenn Sie eine vergleichbare Anthologie mit Dichtern der Bundesrepublik machen wollten, w\u00fcrde Ihnen das schwerer fallen?<\/strong><br \/>\nNein, wahrscheinlich sogar leichter.<\/p>\n<p><strong>Sie w\u00fcrden auch mit hundert Gedichten auskommen?<\/strong><br \/>\nJa. Aber es g\u00e4be ein Problem. Ich kann in der DDR-Anthologie ohne weiteres zwei oder drei Gedichte der von mir sehr gesch\u00e4tzten Christa Reinig aufnehmen, obwohl sie seit 1962 im Westen war. Wenn ich eine West-Anthologie machen w\u00fcrde, dann geriete ich in Schwierigkeiten bei Christa Reinig und Sarah Kirsch, die sehr lange in der DDR gelebt haben. Soll ich von denen Gedichte aus der bundesrepublikanischen Zeit nehmen? Unser Kriterium war, dass jemand in der DDR aufgewachsen und mit ihr aufgewachsen ist und, wenn er die DDR verlassen hat &#8211; was ja viele getan haben -, schon drei\u00dfig war. Das ungef\u00e4hr war die Idee.<\/p>\n<p><strong>Wenn ich zum Vergleich eine DDR-Anthologie des Aufbau-Verlags von 1979 nehme, da fehlen: Wolf Biermann, Sarah Kirsch, Reiner Kunze, selbst Heiner und Inge M\u00fcller. Und Wolfgang Hilbig, ein Autor des &#8220;Bitterfelder Weges&#8221;, wird ignoriert.<br \/>\n<\/strong>Hilbig ist ein klassischer Fall. Der w\u00e4re im Westen wahrscheinlich kein Lyriker geworden. Der ist in der ganzen Ambivalenz ein echtes DDR-Produkt. Addie Endler auch. Die haben sich zu Tode gesoffen &#8211; eine Art stiller Freitod. (Sie haben sich nicht zu Tode gesoffen, Adolf Endler ist nach langer schwerer Kranheit in diesem Sommer gestorben. Anm.: Kunsthaus)<\/p>\n<p><strong>Aber erst nach dem Ende der DDR.<\/strong><br \/>\nGerade bedeutende Autoren sind gef\u00e4hrdet, und wenn sie \u00e4lter werden, neigen sie dazu, sich zu fragen, was habe ich eigentlich erreicht.<\/p>\n<p><strong>Ich habe in Ihrer Anthologie die Probe aufs Exempel gemacht. F\u00fcr meine Generation waren neben Brecht, Franz F\u00fchmann und Volker Braun auch j\u00fcngere Dichter wie Hans-Eckardt Wenzel und Uwe Kolbe, letzterer mit seinem Band &#8220;Hineingeboren&#8221;, wichtig &#8211; alle drin. Und Steffen Mensching haben Sie mit seinem &#8220;Fernsprechbuch 1941&#8221; ganz nach vorn geholt. Was sch\u00e4tzen Sie an diesen Lyrikern?<br \/>\n<\/strong>Grunds\u00e4tzlich muss man sagen, dass die DDR-Gedichte handwerklich meistens besser gebaut waren als westdeutsche. Da wurde viel mit der Form gespielt. Das ist unter anderem auch ein Verdienst von Georg Maurer, der im Leipziger Literaturinstitut die Klasse Lyrik geleitet, und von Bernd Jentzsch, der das &#8220;Poesiealbum&#8221; gegr\u00fcndet hat. Es wurde nat\u00fcrlich auch anders gelesen. Der DDR-Leser wurde jeden Tag, den Karl Marx werden lie\u00df, gez\u00fcchtigt durch das Neue Deutschland. Das war ja ein Geheimblatt, da musste man zwischen den Zeilen lesen. Das hei\u00dft, DDR-Leser wurden zu sorgf\u00e4ltigem und zugleich zu fl\u00fcchtigem Lesen gepr\u00fcgelt. Und das hat eine besondere Art von Aufmerksamkeit hervorgebracht, die im Westen unbekannt ist. Und die DDR war ein zeitraubender Staat. Das ist mir jedes Mal aufgefallen, wenn ich eingereist bin &#8211; es dauerte alles lange. Kontrollen sowieso, und wenn ich Bobrowski besuchte, musste ich erstmal nach Friedrichshagen fahren. Aber dann waren da schon Manfred Bieler und die anderen versammelt, und alle hatten Zeit. Ich fragte mich immer, wann schreibt der Bobrowski \u00fcberhaupt, wahrscheinlich hat er im B\u00fcro geschrieben, B\u00fcroarbeit wurde ja nicht so ernst genommen. In der S-Bahn hat er geschrieben, das wei\u00df ich, denn es war ein langer Weg von Friedrichshagen bis ins Zentrum Ostberlins, in die Charlottenstra\u00dfe. Ich habe \u00fcbrigens erst vor ein paar Wochen von der Birthler-Beh\u00f6rde erfahren, wie man verhindert hat, dass ich als Testamentsvollstrecker von Bobrowski eingesetzt wurde. Da wurde die Witwe mal kurz in die Mangel genommen. Auf keinen Fall sollte der Nachlass in &#8220;schmutzige Westh\u00e4nde&#8221;.<\/p>\n<p><strong>Es f\u00e4llt mir wirklich schwer, wichtige DDR-Dichter zu finden, die Sie nicht aufgenommen haben. Vielleicht Harald Gerlach oder Walter Werner. Aber es sind ja erstaunlich viele Th\u00fcringer drin: F\u00fcrnberg, Kirsten, Cibulka &#8230;<\/strong><br \/>\nDas ist eine typische Reaktion aus der DDR! Mal sehen, wie viele Th\u00fcringer drin sind! Das ist ein echtes Heimatbewusstsein, das da aus Ihnen spricht. Harald Gerlach, ja, der fehlt. Na ja, beim Prenzlauer Berg mussten wir auch ausw\u00e4hlen. Hundert Gedichte sind hundert Gedichte. Und es w\u00e4re viel ungerechter gewesen, Huchel oder Bobrowski mit nur einem Gedicht drin zu haben, als einen j\u00fcngeren Autor wegzulassen. Man muss sein eigenes Urteil auch kenntlich machen. Bei Volker Braun musste ich mich zusammennehmen, um nicht sieben Gedichte aufzunehmen, statt nur vier. Das wiederum h\u00e4tte die Proportionen des Bandes auseinanderfallen lassen.<\/p>\n<p><strong>W\u00fcrden Sie Ihre Auswahl als einen Kanon bezeichnen?<\/strong><br \/>\nAls was?<\/p>\n<p><strong>Einen Kanon. Marcel Reich-Ranicki stellt doch gerne Literaturkanons zusammen: Das muss man unbedingt lesen, das und das &#8230;<\/strong><br \/>\nNein. Reich-Ranicki ist mir fremd. Der hat diese Westentaschenkategorien des sozialistischen Realismus nie ganz abgelegt. Aber er hat gro\u00dfe Verdienste bei der Schaffung von hohen Auflagen, auch in der deutschen Literatur.<\/p>\n<p><strong>Welches ist Ihr Lieblingsgedicht?<\/strong><br \/>\nEs gibt ungef\u00e4hr zehn Gedichte, die fallen mir sofort ein, weil sie unbedingt in dem Band sein m\u00fcssen.<\/p>\n<p><strong>Zum Beispiel?<\/strong><br \/>\nNa, &#8220;Homo sapien&#8221; von Richard Leising &#8211; das konnte man in der DDR singen: &#8220;Zu einem richtigen Arbeiterstaat \/ Geh\u00f6rt ein richtiger Kartoffelsalat.&#8221; Oder &#8220;Sozialistischer Biedermeier&#8221; von Kurt Bartsch. Oder Kuba &#8211; also Kurt Barthel: &#8220;Sagen wird man \u00fcber unsre Tage&#8221;. Das waren volkst\u00fcmliche Gedichte, wie auch immer in der Wertung, die kann man nicht weglassen.<\/p>\n<p><strong>Aber Sie wollen damit nicht sagen, dass Kuba zu Ihren Lieblingsdichtern z\u00e4hlt. Sie mussten ihn nie aufsagen.<\/strong><br \/>\nNein. Ich habe lange gesucht bei Kuba, bis ich das gefunden habe, von dem man mir sp\u00e4ter erz\u00e4hlt hat, dass es hier in jedem Schulbuch war. Aber Sie fragten nach meinem Lieblingsgedicht. Gut, wenn Sie unbedingt wollen, erkl\u00e4re ich jetzt mal eins zu meinem Lieblingsgedicht. Ich habe hier Anstreichungen: Peter Huchel &#8220;Die Ordnung der Gewitter&#8221;. Oder Thomas Rosenl\u00f6cher &#8220;Die Verl\u00e4ngerung&#8221;. Stephan Hermlin &#8220;Die V\u00f6gel und der Test&#8221;. Zwei weniger bekannte &#8220;Buckower Elegien&#8221; von Brecht &#8230;<br \/>\n<strong><br \/>\nDanke, danke. Vielen Dank!<\/strong><\/p>\n<p><em>100 Gedichte aus der DDR.<\/em> Hrsg. v. Christoph Buchwald und Klaus Wagenbach, Verlag Klaus Wagenbach, Berlin, 160 S., 16,90 Euro<\/p>\n<p><img loading=\"lazy\" class=\"alignnone size-full wp-image-1072\" title=\"Wagenbach-Web-2\" src=\"http:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/Wagenbach-Web-2.jpg\" alt=\"Wagenbach-Web-2\" width=\"600\" height=\"402\" srcset=\"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/Wagenbach-Web-2.jpg 600w, https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/wp-content\/uploads\/Wagenbach-Web-2-536x359.jpg 536w\" sizes=\"(max-width: 600px) 100vw, 600px\" \/><\/p>\n<p>J\u00f6rg Sobiella (mdr) beim Interview mit Klaus Wagenbach im Kunsthaus Erfurt<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Lesung: Montag, 14. September 2009, 20 Uhr im Kunsthaus Erfurt<\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[2],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1070"}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=1070"}],"version-history":[{"count":2,"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1070\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":2243,"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/1070\/revisions\/2243"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=1070"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=1070"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.kunsthaus-erfurt.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=1070"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}