22 Jan 2010

YEA

Kunsthaus-Web-YEA

Sebastian Brandt, Patricia Detmering, Lorenz Lindner,
MichaL. Schmidt, Ulrike Schneider, Martin Wühler

25. Januar – 5. März 2010

Die erste Ausstellung 2010 im Kunsthaus Erfurt richtet ihren Fokus auf die neue Künstlergeneration der Stadt. Mit Sebastian Brandt, Patricia Detmering, Lorenz Lindner, MichaL. Schmidt, Ulrike Schneider und Martin Wühler sind sechs junge Künstlerinnen und Künstler vertreten, deren Arbeiten die Bandbreite von Narrativer Malerei, Installation bis hin zu Videoarbeiten umfasst.

Sebastian Brandt – ZUHAUSE
Die Wahrnehmung von Heimat ist die intime Betrachtung einer Landschaft des Vertrauten – des vermeintlich Bekannten. Eine Fülle von Einzelheiten, von denen jede für sich eine Facette zur Reflexion für mich bietet. Die eigene Umgebung erhält ihre Bedeutung durch das Zuordnen und Benennen von Gedanken, Geschichten von Bildern.

So auch Zuhause:
Häuser. Da sind Häuser – Einzel(l)heiten.
Da drüben wohnen die Nachbarn. Dort mein Freund und gegenüber mein Feind.
Dahinter stehen auch Häuser. Geordnet hintereinander. Ihre Bewohner begegnen mir manchmal auf der Straße. Ich grüße sie, obwohl ich ihre Namen nicht kenne. Existieren sie nur als dieser Gruß?
In der Ferne sind auch Häuser.
Das weiß ich.
Dort wohnen die Anderen. Die Fremden.
Ich weiß nicht, wie viele es sind?

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YEA, Sebastian Brandt, Zuhause, Installation, Ton (roh), Fassadenfarbe
Ausstellungsansicht Kunsthaus Erfurt, 2010

Patricia Detmering – MALEREI
Patricia Detmerings aktuelle Arbeiten beschäftigen sich mit dem Fall, dem Moment, in dem keine Haltung mehr bewahrt werden kann, der Augenblick, in dem auch die letzte Maske fällt. Die Modelle, die von Bett und Stuhl zu Boden gehen, sind Freunde, Verwandte und Bekannte zu denen eine enge Bindung besteht. Diese Beziehung ist eine wesentliche Voraussetzung für die Malerin, um genau die Zustände zu beschreiben, die sich tief im Inneren der Porträtierten, weit unter der Oberfläche abspielen.

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YEA, Patricia Detmering, Sophia, Aquarell
Ausstellungsansicht Kunsthaus Erfurt, 2010

Lorenz Lindner – REWE
Die defekte Leuchtreklame einer Supermarktkette in einem Gewerbepark an einem Stadtrand bildet die Grundlage für diese Videoprojektion. Die Leuchtbuchstaben flackern unregelmäßig. Das gefilmte Material wurde mit einer Tonspur versehen, die zum einen aus Straßengeräuschen besteht, zum anderen aus Aufnahmen aus Technoclubs der 90er Jahre. Es scheint als würde die Musik aus dem Inneren des Supermarktgebäudes entspringen und die verspielt flackernden Buchstaben sich zu deren Rhythmus bewegen.
Die Mittel des Videos werden genutzt um auf subtile Art dem Supermarkt seine eigentliche Funktion zu nehmen. Fragen zur alltäglichen subjektiven Wahrnehmung als auch zu Sehnsüchten, räumlichen Strukturen und gesellschaftlichen Codes werden aufgeworfen. Dabei wird jeder Interpretation Freiraum gelassen.

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YEA, Lorenz Lindner, Rewe, Digital-Video
Ausstellungsansicht Kunsthaus Erfurt, 2010

MichaL. Schmidt – MALEREI
Menschliches Verhalten findet in echten oder vermeintlichen Krisensituationen oft Ausdruck in übereifrigem blindem Aktionismus, immer wieder gepaart mit einer Portion Fanatismus. Kollektive Reaktionen, welche ökonomische, religiöse und ökologische, ja menschliche Problemmomente schnell noch schlimmer machen und am Ende eine Eskalation der Lage beschwören. Früher wie heute.
Frei nach dem Motto Mao Zedongs „Wenn alle an der Rübe ziehen, bekommt keiner Rheuma in den Knien“ werden wir es schon gemeinsam schaffen, die Karre in den Dreck zu fahren.
In seinen Arbeiten geht es michaL.schmidt darum, Geschichten zu erzählen und aufzuzeigen, wie komplex sich menschliches Verhalten auf unser Dasein auswirkt. Durch unterschiedliche Medien und Materialen, jeweils abhängig von der Idee, versucht er diesen Erzählungen eine immer wieder neue Form zu geben.

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YEA, MichaL. Schmidt, o.T. (Revolutionär), Öl auf Leinwand
Ausstellungsansicht Kunsthaus Erfurt, 2010

 

Ulrike Schneider – MALEREI
Ulrike Schneiders Arbeiten, stilistisch zwischen Comic, Illustration und narrativer Malerei changierend, sind von einer tiefen Melancholie geprägt. Ihre starken, in sich geschlossenen Frauenfiguren bewegen sich in einer nur scheinbar vertrauten Welt.
Bekanntes offenbart schnell Abgründiges. Aus einem dunklen Umfeld voller Brüchigkeit leuchtet die Kraft kindlich wirkender Charaktere, umweht von einer divenhaften Aura.

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YEA, Ulrike Schneider, Das Rauschen, Acryl auf Leinwand
Ausstellungsansicht Kunsthaus Erfurt, 2010

Martin Wühler – MALEREI
Schwarz bildet ausnahmslos die Hintergrundfarbe der Feinmalereien, der in den fünf in unterschiedlichen Formaten vertretenen Gemälde, die in dieser Ausstellung präsentiert werden. Auf Motivsuche begibt sich der junge Maler in den scheinbar virtuellen Welten des Internets, wo er auf zahlreichen Webseiten auf die wahren Schrecken des Krieges stößt: unzensierte Fotografien von Kriegsopfern. Es handelt sich um Dokumente, die kaum in einer deutschen Tageszeitung abgedruckt oder in der allabendlichen Tagesschau den Zuschauern zu Hause präsentiert werden. Aus welchem Land, genauer aus welchem der zahllosen Kriege die Vorbilder Wühlers stammen, sind für ihn und die Betrachter seiner Bilder belanglos. Die Anwesenheit des Schreckens bildet für den Erfurter die Motivation der künstlerischen Umsetzung. Während Kriegs- und Amateurfotografen vor Ort die Tatsachen dokumentieren und festhalten wollen, um die Realität verständlicher zu machen und die Bilder als Dateien anschließend in den grenzenlosen Weiten des Internetarchivs buchstäblich verschwinden, klaubt Wühler sie aus diesem großen Fundus heraus und verwandelt sie von Pixel zu Gemälden. Hendrik Bändge

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YEA, Martin Wühler, Ikone 2.0, Acryl auf Holz
Ausstellungsansicht Kunsthaus Erfurt, 2010